Lösungsmittel bei Schreibblockaden

(Auszug aus: 'Klare Worte für Verein & Co.' von D. Weyers, Bonn 2005; leicht verändert)

"Blockaden abbauen - Gedanken zur Sprache bringen

Die Angst vor dem weißen Blatt konnte auch der leere Bildschirm nicht vertreiben. Fast jeder Mensch beherrscht diverse Taktiken, um sich vorm Schreiben zu drücken. Erst einmal die Ablage aufzuräumen, zählt sicher zu den nützlichsten Umwegen unterwegs zum eigenen Text. Tricksen Sie Ihre Abwehr aus: Verwandeln Sie Ihre liebsten Ablenkungsmanöver in vorbereitende Rituale. Nutzen Sie z. B. das beliebte Blumengießen ganz bewusst zur Einstimmung ins Schreiben.

Je wichtiger der Text, desto länger kann der Anlauf sein. Kein Wunder: Mit jedem Text schaffen Sie ein Artefakt, ein Werk. Schreiben ist eine kreative Tätigkeit; und Kreativität hat ihre Phasen, nämlich:

1. Inspiration, 2. Inkubation, 3. Illumination und 4. Verifikation.

Das heißt: Bevor Sie einen Text in die Welt setzen, benötigen Sie 1. Inspirationen aus Ihrer Umwelt oder Ihrem Innenleben. In der 2. Phase der Inkubation entwickeln Sie diese Anregungen innerlich weiter. Sie werden »ausgebrütet« , wir »gehen damit schwanger« , um dann »erleuchtet« (Illumination) in die dritte Phase zu wechseln. Diese glorreiche Stunde ist gekommen, wenn ungeordnete Gedanken Gestalt annehmen, sich verdichten, der rote Faden und das Ziel klar werden. In der vierten und letzten Phase der Verifikation geht es schließlich darum, den Text zu realisieren und zu kommunizieren. Nun muss er sich der Welt stellen: Ist er stimmig, glaubwürdig, wahrhaftig? Funktioniert er?

Sind wir uns über den Ablauf kreativer Prozesse nicht im Klaren, können die beiden ersten Phasen quälend sein. Wer sofort ein Ergebnis sehen will, muss Inspiration und Inkubation fast zwangsläufig als unproduktives »Nicht-Können« erleben. Wer jedoch den inneren Gärungsprozess als Teil der kreativen Tätigkeit wahrnimmt, kann ihn als ebenso notwendige wie fruchtbare geistige Arbeit wertschätzen.

Allerdings können Gefühle aller Art den Kopf blockieren. Knoten im Magen, umwerfende Unlust, zermürbende Müdigkeit oder explosive Verliebtheit: Wer soll da etwas Anständiges zu Papier bringen?
Mit etwas Glück und gutem Willen kann ein Blick in Ihre bisherigen Ergebnisse oder ein anderer, gut geschriebener Text Sie zum Thema zurückführen.

Wird die Laune immer schlechter, sind meist unschöne Gefühle im Spiel. Schicken Sie diese nicht einfach in den Untergrund. Von dort aus können Sorgen, Befürchtungen und andere Affekte Ihre Arbeit unkontrolliert sabotieren. Nehmen Sie sich Ihre Gefühle nicht übel, nehmen Sie sie erst einmal wahr. Oft haben die Emotionen mit dem Schreiben selbst zu tun. Sie können ein wichtiges Signal sein, z. B. für Ihre Haltung gegenüber dem Thema, den Lesenden oder der Schreibaufgabe. Oder: Was beschäftigt Sie innerlich so sehr, dass kein Raum für's Schreiben bleibt? Was bindet Ihre Energien und Gedanken unbewusst so sehr, dass Sie diese nicht mehr auf Ihren aktuellen Text richten können?

Barrieren im Kopf verhindern Kreativität. Brainstorming und andere Methoden können die Blockaden lösen und Energien freisetzen. Kern der kreativen Methoden ist immer:

  • sich nicht zu zensieren und nichts zu bewerten, sondern jeden Einfall willkommen zu heißen und anzunehmen,
  • nicht linear zu denken, sondern die Gedanken ungeordnet und assoziativ fließen zu lassen."

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